Durch eine kleine Änderung in meiner Umgebung konnte ich endlich ungeliebte Gewohnheiten ändern.
öfter mal was neues

Das einzige, was auf dem Sofa liegt bin ich – Gewohnheiten einfach ändern?

3. September 2017

Vor einer Weile schrieb Frau Ding Dong einen Beitrag über „Dinge und Gewohnheiten“. Ich habe ihn gelesen und fühle mich seit dem sehr erleuchtet. Wirklich!

Warum?

Sie schreibt über etwas, was wir tagtäglich beobachten können: Wie uns die Dinge mit denen wir uns Umgeben in unserem Handeln beeinflussen. Ein Beispiel gefällig? Sie beschreibt, wie die Karaffe mit Wasser, die neuerdings auf ihrem Schreibtisch steht, dafür sorgt, dass sie plötzlich mühelos ihr persönliches Trinkziel erreicht.

Genau diese Erfahrung konnte ich auch machen. Seitdem ich ständig und überall Wasser in Reich- und Sichtweite habe, trinke ich viel, viel mehr. Und als ich so darüber nachdachte, fielen mir noch  mehr Situationen ein, in denen meine Gewohnheiten auf eine Änderung meiner Umgebung reagiert haben. Nicht immer nur zum Positiven übrigens!

  • Ist meine Küche aufgeräumt, koche ich mehr und aufwendiger, weil ich direkt starten kann.
  • Seitdem ich ein Smartphone habe, lese ich weniger Bücher. Statt einem Buch zücke ich an der Bushaltestelle jetzt das Handy.
  • Seitdem ich eine Halbliter Edelstahlflasche besitze, habe ich immer Wasser dabei, wenn ich unterwegs bin.
  • Seitdem ich ganz nahe an einem günstigen und kinderfreundlichem Café wohne, esse ich mehr Kuchen.
  • Wenn ich mich langweile und nichts zur Ablenkung in Reichweite habe, starte ich mühelos mit dem Schreiben.

Und auch der plötzliche Motivationsschub, den ich vor ein paar Monaten hatte, passt zu den Beispielen, da er auf eine große Änderung in meinem Umfeld folgte.

Ändere deine Gewohnheiten durch deine Umgebung

Frau Ding Dong verlinkt auch auf einen spannenden Artikel von James Clear. Er schreibt über etwas, was er Umgebungsdesign (Environment Design) nennt.

Schlussendlich geht es beim Umgebungsdesign darum, sich selbst auszutricksen. Wir gestalten dabei unser Umfeld so, dass das, was wir wirklich tun wollen zu einer maximal einfachen Option wird. Denn mensch macht es sich gerne einfach. Wenn die „richtige“ Entscheidung also die naheliegendste ist, dann ist es auch wahrscheinlich diese einer anderen vorzuziehen.

Ich habe da eine Weile drüber nachgedacht und kam so tatsächlich auf die Lösung für ein ewiges Problem.

Jahrelang lag ständig getragene, aber noch tragbare Kleidung bei uns auf dem Sofa. Warum? Weil wir nie einen Platz gefunden haben, wo sie sinnvoll liegen könnte. Jeder Versuch daran etwas zu ändern hat den Kleiderhaufen nur verschoben, mal lag er auf einem Stuhl, mal in einem Wäschekorb auf dem Boden. Und schlussendlich wanderte er früher oder später immer wieder zurück auf das Sofa. Ich hatte schon erkannt, wo das Problem lag, und trotzdem scheiterte jeder Versuch einen anderen Ort für den Haufen zu etablieren, mal früher mal später.

Irgendwann räumte ich in unserem Schlafzimmer einen kleinen Schrank für die getragene Wäsche frei. Das Ergebnis? Die Wäsche, die ich da motiviert in den ersten paar Tagen reingelegt habe, lag auch noch ein halbes Jahr später unangerührt im Schrank und auf dem Sofa, man ahnt es, lag wieder der hartnäckige Kleiderhaufen. Dann las ich in dem verlinkten Artikel folgendes:

…think about your environment in relation to the number of steps it takes to perform a habit. To make good habits easier, reduce the number of steps to do them. To make bad habits harder, increase the number of steps between you and the habit.

(frei übersetzt: …betrachte deine Umgebung unter dem Aspekt der Anzahl der Schritte, die es braucht eine Gewohnheit auszuüben. Um gute Gewohnheiten zu etablieren, verringere die Anzahl der Schritte die nötig sind um sie auszuüben. Um schlechte Angewohnheiten unattraktiver zu machen, erhöhe die Anzahl der notwendigen Schritte zwischen dir und der Angewohnheit.)

Wie simpel und naheliegend, das doch klingt.

Also hinterfragte ich meinen Schrank im Schlafzimmer, und merkte sofort warum er nicht funktionierte. Er ist im falschen Stockwerk. Wir ziehen uns üblicherweise im Wohnzimmer im Erdgeschoss um, das Schlafzimmer ist aber im ersten Stock. Die Schritte, die ich wortwörtlich brauchte um meine getragene Wäsche dort hochzubringen waren einfach zu viel. Also war klar, es muss ein Platz im Erdgeschoss her. Ich entschied mich, ein zusätzliches Regal ins Bad zu stellen. Und weil ich jetzt das Prinzip verstanden hatte, konnte ich gleich noch ein weiteres Hindernis beseitigen. Unser Badfenster war aus Klarglas, so das wir uns abends im beleuchteten Raum beim Umziehen nicht wohl gefühlt haben. Deshalb sind wir immer in das Wohnzimmer ausgewandert. Also habe ich das Fenster mit Folie beklebt. Und, tadaa, die Wäsche liegt im Regal!

Natürlich verirrt sich auch jetzt noch mal etwas ins Wohnzimmer, aber das grundsätzliche Problem gibt es so nicht mehr. Und die Lösung war so einfach!

Nie wieder aufschieben durch die perfekte Umgebung?

James Clear geht aber noch einen Schritt weiter mit seiner Theorie:

Environment design (…) proves that our choices and preferences can be crafted by the environment around us. Suddenly, it becomes apparent that we don’t need to be motivated or incentivized to take action — we simply need to be surrounded by the right cues.

(frei übersetzt: Das Umgebungsdesign (…) beweist, dass unsere Entscheidungen und Präferenzen von der Umgebung geformt werden, die uns umgibt. Plötzlich wird klar, dass wir nicht motiviert sein müssen oder irgendwelche Anreize brauchen um aktiv zu werden – wir müssen uns nur mit den richtigen Hinweisen umgeben.)

Keine Motivation mehr nötig? Einfach die Umgebung so ausrichten, dass man mühelos starten kann?  Wenn wir uns das Wasserbeispiel ins Gedächtnis rufen, dann muss man wohl zugeben: Ja, da hat es funktioniert. Das klingt doch wirklich einfach! Oder nicht?

Erstmal wirkt es wie die Lösung für das Problem mit der Prokrastination. Die Frage ist natürlich, kann man sein Leben wirklich so optimieren, dass man für alles die perfekte Ausgangslage schafft? Denn für mich, und sicherlich auch viele andere Menschen mit chronischer Aufschieberitis, liegt das Problem ja nicht bei einzelnen unerwünschten Gewohnheiten, sondern jeder Beginn ist gewissermaßen ein Problem in sich.

Deshalb ist das tatsächlich eine Frage, die ich so ohne weiteres gar nicht beantworten kann. Aber es ist eindeutig ein Aspekt, unter dem ich in nächster Zeit bei uns zu Hause einige Dinge hinterfragen werde. Ich bin mir ziemlich sicher, das es da noch eine Menge Potential für bessere Umgebungsgestaltung gibt.

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