über den (Un)Sinn des Lebens

Seid nett zur Langeweile

19. Juli 2017

Es gibt Stimmen, die sagen Langeweile sei etwas Gutes, etwas Produktives. Wir sollten lernen sie zu ertragen, statt uns ständig passiv berieseln zu lassen nur um sie nicht aushalten zu müssen.

Ich fühle mich da sofort angesprochen. Ich mag dieses Gefühl nicht. Wenn ich auf den Bus warte, zücke ich mein Handy. Zuhause schaue ich in öden Momenten irgendetwas im Fernsehen oder ich daddele am Laptop. Löcher in die Luft starren und nichts tun, das ertrage ich nur schlecht.

Ganz kann aber auch ich sie nicht verhindern, diese kleinen Momente, in denen man die Langeweile nicht einfach so übertönen kann. Jetzt zum Beispiel, gestrandet an einem winzigen Bahnhof, nichts da als zwei Gleise und ein Fahrkartenautomat. Handyakku alle, Kind schläft. Ich habe nichts zur Beschäftigung dabei, außer Stift und Notizbuch. Also schreibe ich. Natürlich gegen die Langeweile an, denn ertragen will ich sie nicht. Aber so ungern ich das Gefühl auch mag, eine Sache weiß ich sehr zu schätzen:

Ein Gruß vom Zaunpfahl — hier ist Zeit versteckt!

So viel schöne, freie, ungenutze Zeit, um aufgeschobene Dinge zu erledigen.
Es müssen ja nicht immer die unangenehmen sein. Jetzt zum Beispiel, da sinniere ich notgedrungen über das Leben und schreibe eben diesen Text über Langeweile. Und ja, das macht mir wirklich Spaß. Das vergesse ich nur all zu oft.

Wenn ich mehr auf die Langeweile hören würde und sie nicht immer mühsam mit sinnlosem Medienkonsum überdecken würde, gäbe es so viel Raum für all die schönen Dinge des Lebens. Deshalb  plädiere ich: Seid nett zur Langeweile! Sie gehört zu den Guten.

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